Tympanis laricina 
(Fuckel) Sacc. 1889

Den Lärchen-Büschelbecherling fanden wir während unserer Neujahrs-Exkursion in einem Steinbruch mit Rotliegendem (sauer verwitterndem Gestein). Der Schlauchpilz gehört in die Ordnung der Phacidiales. Die Fruchtkörper sind ziemlich zäh, ledrig und brechen oft gesellig aus der Rinde von Lärchenästen hervor. Die Gattung Claussenomyces kann ähnlich aussehen, die Apothecien sind aber deutlich weichfleischiger. Spannend ist die außergewöhnliche Mikromorphologie. Die Ascosporen knospen bereits im Schlauch und bilden zahreiche sehr kleine Ascoconidien aus, die zunächst in Ballen zu sehen sind und später den gesamten Ascus ausfüllen. Man muss etwas Geduld und Glück haben, um die ursprünglichen Ascosporen beobachten zu können. 

Einen Bestimmungsschlüssel in deutscher Sprache findet ihr in diesem Foren-Beitrag. Außerdem ist hier ein hilfreicher Artikel von Ouelette &Priozynski zur Bestimmung von Tympanis-Arten zu finden. 

Funddaten: 01.01.2022, Thüringen, Steinbruch Frankenhain, liegender Lärchen-Ast, leg./det.: C. Manz & F. Hampe.

 

Octospora itzerottii
Benkert 1998

 

Itzerotts Moosbecherling war unser Abschluss-Highlight des Pilzjahres 2021. Die milden Tage im Winter ab November eignen sich perfekt, um sich auf die Suche nach moos-parasitischen Becherlingen zu machen. Sie sind oft bloß wenige Millimeter groß und nur im Kriechgang zu entdecken. Viele Arten sind hoch-spezifisch und zur Bestimmung des Bechers muss in der Regel auch das Wirtsmoos bestimmt werden. Die hier vorgestellte Art parasitiert auf Pterygoneurum ovatum und P. subsessile. Von einigen Octospora-Arten sind 4-sporige Varietäten der 8-sporigen Hauptarten bekannt. O. itzerottii gilt jedoch als eigenständiges Taxon. Die überwiegend 4-sporige Art wurde zu Ehren des bedeutenden Octospora-Forschers Heinz Itzerott beschrieben.

Funddaten: 31.12.2021, Thüringen, Lützensömmern, Kiesgrube, an Pterygoneurum ovatum, leg. J. Eckstein, det.: F. Hampe & C. Manz, conf.: J. Eckstein.

Plicaria carbonaria
Fuckel 1870

Der Violett-Schwarze Holzkohlenbecherling fruktifiziert ausschließlich auf Brandstellen. Besonders fällt die Art unter dem Mikroskop auf und besticht durch ihre globosen Sporen mit spitz-langstacheligem Ornament. Die unauffälligen dunklen violett-schwarzen nur bis 2cm großen Apothezien sind zwischen den schwarzen Holzkohleresten nur schwer zu entdecken. Die Art scheint hier sehr selten zu sein, dies ist erst der 15. dokumentierte Fund für Deutschland sowie der erste für das Bundesland Hessen. Die Schwesterart Plicaria trachycarpa ist ebenfalls sehr selten und unterscheidet sich durch truncate (abgestutzte) kürzere Stacheln.

Funddaten: 24.11.2021, Sportflugplatz Butzbach auf Brandstelle am Waldrand, leg.: F. Hampe, det.: C. Manz, F. Hampe & D. Wieschollek

Lamprospora retispora 
(Itzerott & Thate) T. Schumach. 1986

Der Oval-netzsporige Moosbecherling gehört zur Gattung Lamprospora innerhalb der Familie der Feuerkissenverwandte (Pyronemataceae). Im Gegensatz zu den meisten Vertetern in dieser Gattung hat diese Art ovale und keine globosen Sporen. Durch die Sporenform, das dichte netzartige Ornament und sein parasitisches Vorkommen auf Drehzahn-Moosen (Syntrichia spp.) ist die Art relativ gut zu identifizieren. Jetzt in den Spätherbst -und Wintermonaten kann man wieder viele dieser moosparasitierenden Arten aus verschiedenen Gattungen mit den tollen Sporen finden, selbst in der Stadt auf bemoosten Mauern oder in bemoosten Pflastersteinfugen kann man fündig werden. Der Fund ist der erste Nachweis dieser Art für Hessen.

Funddaten: 22.11.2021, Friedhof Butzbach auf bemoostem Weg mit Syntrichia sp. , leg./det.: F. Hampe, conf. J. Eckstein

Tricholoma albobrunneum
 (Pers.) P. Kumm 1871

Der Weißbraune Ritterling ist ein typischer Vertreter der nährstoffarmen Kiefernwälder. Er erscheint meist spät im Jahr, oft zusammen mit dem Grünling (Tricholoma equestre). Über dieses Taxon gab es in der Vergangenheit zahlreiche Verwirrungen, weil es immer wieder unterschiedlich interpretiert wurde. Nach aktuellem Konzept ist die Art durch folgende Merkmale definiert: Kleine bis mittelgroße Fruchtkörper, sehr bitterer Geschmack, "mehliger" Geruch, radialfaseriger Hut und weiße abgesetzte Stielspitze. Ähnliche Arten wie der Rotfleckende Kiefern-Ritterling (T. stans) und  der Getropfte Ritterling (T. pessundatum) sind nur schwer zu unterscheiden und können sich sogar mit der hier vorgestellten Art das Habitat teilen. Braune Ritterlinge zu identifizieren ist sicherlich eine der schwierigeren Aufgaben eines Mykologen, auch weil die Mikroskopie nicht viel weiter hilft. 

Funddaten: 19.11.2021, Sportflugplatz Butzbach, Kiefernforst , leg./det.: F. Hampe, T. Lehr & H. Zühlsdorf

aktueller Fund aus Butzbach

Fund aus Thüringen, 2020
 

Hygrophorus lucorum
Kalchbr. 1874

Der Gelbe Lärchenschneckling ist - wie sein deutscher Name schon verrät - streng mit Lärchen (Larix) vergesellschaftet. Mit seiner leuchtend gelben Hutfarbe ist er im Spätherbst ein wirklich freudiger Farbtupfer an sonst grauen Novembertagen. Der Pilz ist unverwechselbar und auch für Anfänger ohne Mikroskop eindeutig zu erkennen. Er wächst gern gesellig und kann daher auch zu Speisezwecken gesammelt werden, wenn man sich an der klebrig/schmierigen Huthaut nicht stört.

Funddaten: 19.11.2021, Sportflugplatz Butzbach, Kiefernforst mit eingestreuter Lärche, leg./det.: F. Hampe, T. Lehr & H. Zühlsdorf

Entoloma vindobonense
 Noordel. & Hauskn. 2004

Der Düstere Seiden-Rötling ist ein typischer Vertreter der Untergattung der Glöcklinge (Nolanea). Er erscheint meist sehr spät im Jahr, vor allem auf Magerrasenflächen. Die wenigen Fundpunkte in der Verbreitungskarte Deutschlands sind darauf zurückzuführen, dass die Art vermutlich oft als Seidiger Rötling (E. sericeum) fehlbestimmt wurde. Sie unterscheidet sich von letzerer durch die düstere Färbung, subpolierten Stiel und die sehr späte Erscheinungszeit. Eine Aufsammlung von dem besuchten Standort wurde letztes Jahr von Kai Reschke sequenziert und bestätigt. Kai hat sich die letzten 5 Jahre intensiv mit den Europäischen Glöcklingen beschäftigt und bald wird ein ausführlicher Artikel hierzu im Rahmen seiner Dissertation erscheinen. 

 

Funddaten: 13.11.2021, Thüringen, Ilm-Kreis, Erlenbachwiesen bei Wölfis, Magerrasen auf Bauschutt, leg./det.: F. Hampe & C. Manz, conf.: K. Reschke

Tubaria furfuracea 
(Pers.) Gillet 1876

Den Gemeinen Trompetenschnitzling kann man zwar ganzjährig finden, jedoch ist er im Winterhalbjahr besonders häufig anzutreffen. Er ernährt sich saprobiontisch von verschiedenen Holzresten, oft von Häckseln oder Rindenmulch. Man erkennt diese Art am geselligen Wachstum, den breit angewachsenen Lamellen, beflockter Stielspitze und weißlichen Velumresten am Hutrand. Er gehört zur Familie der Risspilz-Verwandten (Inocybaceae). Genetische Untersuchungen zeigten, dass sich hinter diesem Taxon ein Komplex aus kryptischen Arten verbirgt, der bisher morphologisch nicht entschlüsselt werden konnte. Ob sich einige beschriebene Arten aus der Gruppe wie T. hiemalis oder T. romagnesiana als "gute Arten" herausstellen muss noch geklärt werden. 

Funddaten: 13.11.2021, Thüringen, Ilm-Kreis, Erlenbachwiesen bei Wölfis, auf Holzhäckseln, leg./det.: F. Hampe & C. Manz

Hygrophorus suaveolens 
Kleine & E. Larsson 2018

Der Dunkelscheibige Kiefern-Duftschneckling gehört in die Gruppe um den Wohlriechenden Schneckling (Hygrophorus agathosmus). Es war uns eine besondere Freude, diesen erst 2018 beschriebenen Schneckling zu finden, der von unserem Freund Jesko Kleine erstmals in Sachsen entdeckt und später beschrieben wurde. Es handelt sich um den ersten dokumentierten Nachweis für Thüringen. Vermutlich wurde die Art bisher nicht wahrgenommen, da sie auf den ersten Blick an den Schwarzpunktierten Schneckling (Hygrophorus pustulatus) erinnert. Sie unterscheidet sich jedoch von diesem durch einen deutlichen Bittermandel/Marzipan-Geruch und das ausschließliche Vorkommen bei Kiefern. Außerdem erscheint die Art sehr spät im Jahr von Mitte Oktober bis Dezember und hat in der Regel eine dunkelscheibige Hutmitte. Man kann sich die Art also vorstellen, wie eine Mischung aus H. agathosmus ung H. pustulatus

Die Arbeit, in der der Pilz beschrieben wurde könnt ihr euch hier ansehen.

Funddaten: 13.11.2021, Thüringen, Ilm-Kreis, Erlenbachwiesen bei Wölfis, Magerrasen unter Pinus sylvestris, leg./det.: F. Hampe & C. Manz, conf.: J. Kleine

Rhizopogon villosulus 
Zeller 1941

Die Douglasien-Wurzeltrüffel ist ein hypogäischer Pilz, der zu den Dickröhrlingsartigen (Boletales) gehört. Die Art ist ursprünglich in Nordamerika verbreitet und wurde zusammen mit ihrem Symbiose-Partner, der Douglasie, nach Europa eingeschleppt. Die Art hat sich allerdings nicht massenhaft ausgebreitet und ist trotz der Häufigkeit der Douglasie in deutschen Forsten nur sehr selten anzutreffen. Es handelt sich hier um den zweiten Nachweis für Thüringen. Charakteristisch ist  die Peridie, die aus zwei hyphigen Schichten aufgebaut ist. Man kann den Pilz "doppelt pellen". Die Fruchtkörper waren in unserem Fall leicht zu finden, da sie nicht nur zahlreich am Standort vorkamen sondern auch etwa zur Hälfte aus dem Boden herauslugten.

Funddaten: 13.11.2021, Thüringen, Ilm-Kreis, Erlenbachwiesen bei Wölfis, Magerrasen unter Pseudotsuga menziesii, leg./det.: F. Hampe & C. Manz, conf.: G. Hensel.

Heyderia cucullata
(Batsch) Bacyk & Van Vooren 2005

Der Nadelhaubenpilz ist ein ca. 1 cm großer Schlauchpilz, der sich von toten Nadeln verschiedener Koniferen ernährt.  Die Sporen werden auf der Oberfläche der kleinen Köpfchen gebildet, die von einem sterilen Stiel etwas angehoben weren. Der hakenlose Nadelhaubenpilz (Heyderia pusilla) ist noch kleiner und die Sporenschläuche (Asci) tragen - wie der Name schon sagt - keine Haken. Ein geläufiges Synoym der hier vorgestellten Art ist H. abietis. Eine ausführliche Beschreibung der Art und Informationen zur Synonymie können hier nachgelesen werden. Die Art ist in Deutschland als RL3 gelistet. Für Thüringen handelt es sich um den dritten Nachweis.

Funddaten: 07.11.2021, Thüringen, Bücheloh, saurer Fichtenwald auf Buntsandstein, auf Fichtennadeln, leg./det. C. Manz & F. Hampe.

Leucocortinarius bulbiger (Alb. & Schwein.) Singer 1945

Der Knollige Schleierritterling sieht im Feld aus wie ein Klumpfuß (Phlegmatium, Cortinarius) mit weißen Lamellen. Die Art ist der einzige Vertreter in der monotypischen Gattung Leucocortinarius und wird momentan zu den Ritterlingsverwandten (Tricholomataceae) gestellt. Die Merkmalskombination aus knollig-verdicktem Stiel, Teilvelum (Velum partiale) und weißem Sporenpulver ist einzigartig. Dies ist der achte dokumentierte Fund für Hessen, die Art steht in der Roten Liste für gefährdete Pilze auf der Vorwarnliste (V). In Regionen, wo er massenhaft fruktifiziert, wird er gerne als Speisepilz gesammelt.

Funddaten: 30.10.2021, Forsthaus Butzbach unter Eiche (Quercus), leg./det: M. Mohr & F. Hampe

Hebeloma eburneum 
Malençon 1970

Der Elfenbein-Fälbling ist ein Vertreter aus der Verwandtschaft um den Tonblassen Fälbling (Hebeloma crustuliniforme). Seit dem Erscheinen der Monographie in der Reihe Fungi Europaei Band 14, ist es nun möglich mit viel Fleiß und mikroskopischem Messaufwand, typische Aufsammlungen europäischer Fälblinge zu bestimmen. Die hier vorgestellte Art kann mit vielen verschiedenen ektomykorrhiza bildenden Pflanzen vergesellschaftet sein.  Sie ist sehr blass mit gelblicher Hutmitte, relativ robust und riecht leicht nach Rettich.

Funddaten: 02.11.2021, Sportflugplatz Butzbach, bei Weide (Salix), leg.: T. Lehr & F. Hampe, det.: F. Hampe.

Tricholomella constricta
(Fr.) Zerova ex Kalamees 1992

Der Gegürtelte Schönkopf ist ein weißer, gurkig/mehlig riechender Blätterpilz  mit stacheligen Sporen. Er ist nitrophil, also stickstoffliebend. Wir haben ihn schon zuvor an typischen "Hundepipi-Stellen" in Vorgärten und Parks gefunden. Früher wurde die Art in der Gattung Calocybe geführt, woher auch der Deutsche Name rührt. Die früher getrennt geführte T. leucocephala hat sich nach molekularer Untersuchung als identisch herausgestellt. Die Art kann, muss aber nicht einen wurzelnden Stiel und eine Pseudoringzone ausbilden.

Funddaten: 29.10.2021, Stadtgebiet Gießen, in einem Vorgarten, leg./det.: H. Zühlsdorf & F. Hampe.

Unser Fund: Tricholomella costricta ohne wuzelnden Stiel und mit Pseudoringzone und flockigem Stiel.

Die stacheligen, elliptischen, hyalinen Sporen sind ein guter Hinweis zur Bestimmung dieser Art.

Psilocybe semilanceata
(Fr.) P. Kumm. 1871

Der Spitzkegelige Kahlkopf ist ein kleiner unauffälliger Wiesenpilz aus der Familie der Träuschlinge (Strophariaceae). Oft findet man ihn in hohergrasigen Bereichen mäßig beweideter Wiesen, wenn man die Gräser durchkämmt. Wir finden ihn gelegentlich, wenn wir auf der Suche nach kleinen Wiesenkeulen und -korallen sind. Der Spitzkegelige Kahlkopf enthält Psilocybin, ein Pilzgift, das nach Kosum starke Halluzinationen und bewusstseinsverändernde Symptome hervorruft. Man erkennt den Pilz an seinem spitzkegeligen schmierigen Hut, der beim Trocknen die Farbe verändert (hygrophan), schwarzbraunem Sporenpulver und an seinem langen dünnen Stiel. 

Funddaten: 22.10.2020, Thüringen, Ilm-Kreis, Leg./det.: F. Hampe & C. Manz

 

 

Clitocybula lacerata 
(Scop.) Métrod 1952

Der Gestreifte Holzrübling ist ein Holzzersetzer, der nur in naturnahen, totholzreichen (Ur-)wäldern anzutreffen ist. Er ähnelt etwas einer Miniaturversion des Breitblatt-Rüblings (Megacollybia platyphylla). Allerdings wächst er gesellig und sein Hut ist stark radialfaserig und typischer weise am Rand zerschlitzt. Er ist eine der zwei Arten, die aus der Gattung Clitocybula in Europa bekannt sind. Der Familien-Holzrübling (Clitocybula familia) wächst büschelig und bildet lange Stiele aus. In einer aktuellen Veröffentlichung stellten die Autoren fest, dass sich hinter dem Gestreiften Holzrübling ein Aggregat aus drei kryptischen, also bisher morphologisch/geographisch/ökologisch nicht trennbaren, Arten besteht. Den Artikel findet ihr hier.
Wir fanden den Pilz im Tschechischen Sophien-Urwald (Žofínský prales), einem der zwei ältesten Naturschutzgebiete des Landes.

Funddaten: 22.09.2021, Tschechien, Žofínský prales, an stark zersetztem dickem Stamm einer Weißtanne (Abies alba). Leg./det.: F. Hampe & P. Karasch

 

Lentaria subcaulescens (Rebent.) Rauschert 1987

Team Pilz-wissen war letzte Woche in zwei unterschiedlichen Osteuropäischen Schutzgebieten unterwegs. 

Die Lockerarmige Holzkoralle ist uns im Nationalpark Bialowieza (Ostpolen)  begegnet. Die Arme dieser holzbewohnenden Koralle stehen sehr locker und verleihen der Art ein graziles Erscheinungsbild. im Alter bekommen die Fruchtkörper oft gelbbraune Flecken. 

Der Nationalpark gilt als UNESCO Weltkulturerbe und ist einer der ältesten Europäischen Urwälder, in dem wir neben monumentalen Laubbäumen und deren Totzholz und schützenswerten Pilzarten auch freilebende europäische Wisente beobachten konnten.

Funddaten: 21.09.21, Polen, Nationalpark Białowieża Kernzone, auf dickem Eichenstamm in der Optimalphase der Zersetzung. Leg.: Teilnehmer der "Mycology Summer School". det.: C. Manz

Hypomyces lateritius 
Fr. (Tul.) 1860

Der Steinreizker-Kernpilz parasitiert auf verschiedenen Milchlingsarten und führt dazu, dass diese sehr hart  und gelegentlich bis zur Unkenntlichkeit deformiert werden. Man nennt die befallenen Fruchtkörper deswegen auch Steinreizker. Der Parasit macht den (in diesem Fall) Edelreizker (Lactarius deliciosus) ungenießbar und bitter. In Nordamerika gibt es allerdings eine nah verwandte Art, die ebenfalls verschiedene Milchlinge befallen kann und als Delikatesse gilt (Hypomyces lactifluorum). 

Funddaten: 12.09.21, Butzbach, Forsthaus, sauerer Kiefernwald. Leg./det.: F. Hampe & C. Manz

Tricholoma columbetta
(Fr.) P. Kumm. 1871

Der Seidige Ritterling ist eine der wenigen schmackhaften Ritterlingsarten. Der Pilz ist rein weiß und durch seinen seidigen radialfaserigen Hut gekennzeichnet. Die Art erscheint typischerweise in Kalk-Laubwäldern. Oft kann man an der Stielbasis blau-grüne Flecken entdecken, manchmal sogar zusätzlich auch rötliche Flecken. Der Pilz stand im Verdacht, Quecksilber anzureichern. In einer aktuellen Studie konnte allerdings gezeigt werden, dass der Verzehr des Seidigen Ritterlings unbedenklich ist, sofern die Böden nicht im besonderen Maße quecksilberbelastet sind. Den wissenschaftlichen Artikel dazu könnt ihr hier finden.

Funddaten: 30.08.21, Thüringen, Gräfenroda, Dörrtal. Leg. & det.: F. Hampe & C. Manz.

Otidea leporina 
(Batsch) Fuckel 1870

Der Hasen-Öhrling gilt als die häufigste Öhrlingsart nördlicher Nadelwälder in Europa. Seine Fruchtkörper sind rein braun und - wie der Name bereits verrät- ohrförmig. Auffällig sind die für die Gattung sehr breiten Sporen bis 8 µm Breite. Wenn man das Basalmyzel mikroskopiert, entdeckt man feine eckige Kristalle an den Hyphen. Die Außenschicht der Apothecien (ectales Excipulum) ist mit dicken braunen Kristallen besetzt. Die Paraphysen sind oft hakenförmig gebogen und wenn überhaupt nur wenig verbreitert. 

 

Einen aktuellen Bestimmungsschlüssel für die Gattung Otidea findet ihr hier.

 

Funddaten: 29.08.21, Thüringen, fichtendominierter Nadelwald auf Buntsandstein bei Ilmenau. Leg. & det.: C. Manz & F. Hampe.

Russula ustulata 
De Lange & Verbeken 2021

Der Angebrannte Menthol-Schwärztäubling konnte während dem Russula-Kurs im Bayerischen Wald zum ersten Mal für Deutschland nachgewiesen werden. Er gehört zur Artengruppe um Russula albonigra, welche momentan vier europäische Arten umfasst. Die Art kann man nur mit Hilfe mikroskopischer Merkmale eindeutig bestimmen. Pileozystiden (Zystiden in der Huthaut) sind extrem selten und fehlen meist. Außerdem ist der Inhalt der Zystiden im Hymenium (Fruchtschicht) wichtig, da sie nicht mit öligen Guttulen gefüllt sind. Ein Interessantes Merkmal ist die grüne Eisensulfat-Reaktion, die man sonst von Heringstäublingen kennt.

Unseren aktuellen Artikel, in dem diese und zwei weitere Arten neu beschrieben wurden findet ihr hier

Funddaten: 09.08.21, Bayerischer Wald, montaner fichtendominierter Nadelwald auf saurem Boden bei Hohenau/Kirchl. Leg.: Kursteilnehmer, det.: F. Hampe.

Lactarius repraesentaneus Britzelm. 1885

Der Zottige Violett-Milchling ist einer der prächtigsten Vertreter seiner Gattung und aufgrund seiner auffälligen Merkmale leicht zu erkenen. Die großen gelben Fruchtkörper mit stark zottigem Hutrand, Gruben am Stiel und violett verfärbender Milch sind unverkennbar! Man findet die Art in feuchten oder sumpfigen Habitaten auf sauren Böden unter Birke oder Fichte.

Funddaten: 11.08.21, Nationalpark Bayerischer Wald, Finsterau, montaner Fichten-Tannen-Mischwald, an einer moosigen Kante eines Bachlaufs. Leg.: Kursteilnehmer, det.: F. Hampe.

 

Agaricus trisulphuratus 
Berk. 1885

Der Orange Zwergchampignon ist nicht nur im tropischen Afrika zu finden, sondern wurde von uns auch schon im tropischen Asien dokumentiert. Die Hüte sind etwa 1,5 - 4 cm groß und mit staubigen Schüppchen besetzt. Trotz seines extravaganten Erscheinungsbildes, lässt sich die Art gut als Mitglied der Gattung Agaricus erkennen: jung rosafarbene Lamellen, die im Alter durch die reifen Sporen schwarz werden und die Ringzone am Stiel liefern eindeutige Hinweise. Die Art wurde bereits 1885 aus Tansania beschrieben.

Funddaten: mehrfach in Benin, vor allem in feuchten Habitaten in der nähe von Bächen und Flüssen. 07/2021.

 

Veloporphyrellus africanus 
Watling 1993

Die Gattung Veloporphyrellus umfasst derzeit 8 Arten und ist aus Amerika, Südostasien und Afrika bekannt. Die Arten sind charakterisiert durch: Ein stielumfassendes häutiges Velum, rosagräuliche nicht blauende Poren und glatte Sporen.

Der Afrika-Velumröhrling  hat allerdings gelbe Poren, die auf Druck blauen und im Schnitt rötendes Fleisch. Die Frage stellt sich, ob die Art wirklich zur Gattung Veloporphyrellus gehört. Nach unserer Rückkehr wollen wir diese Frage durch eine Sequenz-Analyse klären.

Eine rezente Publikation zu dem Thema findet ihr hier.

Funddaten: Benin, 11.07.21, Wasserfälle von Kota unter Uapaca guineensis (Phyllanthaceae).

Russula oleifera 
Buyck 1990

Der Ölige Stinktäubling  ist in Zentral- und Westafrika weit verbreitet und durch ihre dicken braunen Schuppen auf weißem Grund gut charakterisiert. Verwandtschaftlich gehört sie zu den Stinktäublingen mit tranigem Geruch, scharfem Geschmack und cremefarbenen Sporenpulver.

Funddaten: mehrfach rund um Parakou unter Isoberlinia doka und alten Termitenhügeln. Juli 2021.

Pulveroboletus sokponianus 
Badou, De Kesel, Raspé & Yorou 2018

Sokpons Pulverröhrling

Diese wunderschön neongelbe Röhrlingsart wurde erst 2018 hier aus Benin beschrieben. Wir konnten sie sogar zusammen mit Ihrem Entdecker von der Universität in Parakou finden, der uns ins Feld begleitet hat.

Funddaten: 30.06.2021, Forêt de Wari Maro, Benin

Amanita masasiensis 
Härk. & Saarim. 1994

Der Afrika-Kaiserling  ist in den Savannen-Wäldern Benins eine der häufigsten Wulstlingsarten und genetisch eng mit seinem europäischen Pendant verwandt. Einige Volksstämme essen ihn, während ihn andere verschmähen.

Wir haben Material gesammelt, damit der Speisewert an der Uni Frankfurt überprüft werden kann.

Funddaten: in der Umgebung von Parakou mehrfach unter verschiedenen Baumarten der Savanne. Juni 2021.

Cantharellus addaiensis Henn. 1898

Der Rote Savannen-Pfifferling ist in Westafrika relativ häufig und wird hier von der lokalen Bevölkerung als Speisepilz genutzt. Der Pilz ist mit Bäumen vergesellschaftet, die zur Familie der Schmetterlingsblütler (Fabacae) gehören. In Europa sind Pflanzen dieser Familie meist krautig und bilden keine Ektomykorrhiza aus, hierzu gehören z.B.: Bohnen, Wicken und Klee.

Funddaten: Benin , 27.06.2021, Savannen-Wald bei Parakou mit Isoberlinia doka

Itajahya rosea 
(Delile) E. Fisch. 1929

Der Rosa Stinkschlauch ist ein beeindruckender Verwandter der Stinkmorchel ist selten in Afrika anzutreffen. Wir konnten ihn gestern erstmals für Benin nachweisen. In Westafrika war diese Art bisher nur aus Niger bekannt.

Die stinkende Sporenmasse (Gleba) lockt Fliegen an, die zur Verbreitung der Art beitragen. An der Spitze befindet sich eine rosafarbene Kappe, die sich leicht ablösen lässt.

Funddaten: 23.06.21, auf dem Hotelgelände Chant D'oiseau, Cotonou, Benin. leg: F. Hampe & C.Manz. det: M. Carbone

 

Elaiopezia obtusapiculata 
(J. Moravec) Van Vooren 2020

Der Stumpfstachlige Anhängsel-Becherling ist ein sehr seltener Becherling, der auf feucht liegendem morschem Laubholz zu finden ist. Namensgebend sind die attraktiven Sporen mit ihren auffälligen Anhängseln an den Polen und punktierter Oberfläche. Bis vor Kurzem gehörte die Art in die riesige Gattung Peziza. Allerdings fanden Wissenschaftler mit Hilfe genetischer Methoden heraus, dass die Gattung polyphyletisch ist, also nicht einer zusammenhängenden Abstammungslinie entspricht. Folglich wurden 2020 einige Arten, wie auch die hier Vorgestellte, ausgegliedert und in neue Gattungen gestellt. So gehört die Verwechslungsart Phaeopezia apiculata heute nicht mal mehr in die selbe Gattung. Bei diesem Fund handelt es sich um den zweiten Nachweis für Hessen.

Funddaten: 30.05.2021, Deutschland, Hessen, Wetteraukreis, Forsthaus Butzbach, auf stark zersetztem Laubholz in feuchtem Graben am Wegrand.
leg. & det.: C. Manz & F. Hampe

Entoloma aprile
(Britzelm.) Sacc. 1887

Der Frühlings-Ulmenrötling erscheint im April und Mai hauptsächlich bei Ulmen, da vor allem die Berg- und Feldulme seit 1920  durch das Ulmensterben dezimiert werden (der Ulmensplintkäfer überträgt eine aus Ostasien eingeschleppte Pilzerkrankung) ist ein Fund dieser Art immer etwas Besonderes. Die Art bildet oft eher kleine Fruchtkörper mit gerieftem Hutrand aus. Zur gleichen Zeit fruktifizieren auch der ähnliche Schild- und Schlehenrötling - allerdings bei Rosengewächsen.

Vielen Dank an Jesko Kleine, der uns die Fotos zur Verfügung gestellt hat.

Funddaten: 07.05.2021, Sachsen, Leipzig, Küchenholz, südöstlicher Rand der Küchenholzwiese, TK 4640,33, relativ dichter Bestand vorwiegend mit bis ca. 5 m hohen Ulmus minor (Feldulme) auf Lehmboden, ferner Acer platanoides, Fraxinus excelsior

Entoloma vernum 
S. Lundell 1937

Der Frühlings-Rötling ist eine der wenigen Blätterpilzarten, die überwiegend im Frühling erscheinen. Die dunkelbraunen Fruchtkörper sind typischer Weise  in der Nähe von Nadelbäumen anzutreffen. Da der Pilz giftig ist, sollte er nicht mit dem essbaren Schild-Rötling (Entoloma clypeatum) oder dem Schlehen-Rötling (Entoloma sepium) verwechselt werden. Diese Arten erscheinen ebenfalls im Frühjahr, bilden jedoch wesentlich kräftigere Fruchtkörper aus und wachsen in Verbindung mit Rosengewächsen wie Schlehe, Kirsche, Felsenbirne oder Weißdorn.

Funddaten: 26. & 28.04.2021. Thüringen, Ilm-Kreis, erster Fund auf einem Kalk-Trockenrasen bei Kiefer, zweiter Fund bei Fichte auf saurem Boden.

leg. & det.: F. Hampe, C. Manz & D. Wieschollek

Verpa bohemica
(Krombh.) J. Schröt 1893

Nun sind die Böhmischen Verpeln zahlreich und in voller Pracht erschienen (Erste Sichtung siehe weiter unten war vom 02. März). Die Art gehört wie die Morcheln in die Familie der Morchellaceae. Sie unterscheiden sich von diesen vorallem dadurch, dass der wattig ausgestopfte Stiel nur am Hutscheitel angeheftet ist, außerdem bilden sich in den Asci (Sporenschläuchen) nur zwei riesige Sporen. Die Fruchtkörper erscheinen von März bis Mai auf basischen, lehmigen Böden z.B. bei Pappeln und oft in großer Zahl. Allerdings fruktifiziert die Spezies nicht jedes Jahr. Bisher sind nur 6 Fundpunkte dieser Art in Hessen dokumentiert.

Funddaten:

09.04.2021, Deutschland, Hessen, Wetteraukreis, unter Mehlbeere, Eichen und Ahorn zusammen mit Seidelbast und Aronstab
leg.: C. Manz, F. Hampe & G. Kost; det.: F. Hampe & C. Manz

Pholiotina aporos 
(Kits van Wav.) Clémençon 1976

Der Frühlings-Glockenschüppling ist einer der wenigen Blätterpilze, die im Frühjahr fruktifizieren. Im Feld erkennt man diesen häufigen Braunsporer an seinem häutigen Ring, der deutlich gestreift ist. Oft findet man auf dem Ring auch das rostfarbene Sporenpulver, welches typisch für alle Vertreter der Gattung ist. Will man die Art eindeutig bestimmen, sollte man jedoch die Sporen mikroskopieren. In der Regel  haben Glockenschüpplinge Sporen mit Keimporus: eine dünnwandige Stelle an der Spitze der Spore, durch den später die Keimhyphe austritt. Wie der wissenschaftliche Name bereits verrät, fehlt dieser bei der hier vorgestellten Art. Übrigens sind die Glockenschüpplinge keine verwandtschaflich geschlossene Gruppe, was Biologen polyphyletisch nennen. Wer näheres dazu wissen möchte, kann hier einen Stammbaum ansehen.

Funddaten:

09.04.2021, Deutschland, Hessen, Wetteraukreis, Sportflugplatz Butzbach, am Rande eines geschotterten Waldweges.
leg.: C. Manz, F. Hampe & G. Kost; det.: F. Hampe & C. Manz

Der häutige gestreifte Ring ist typisch für die Glockenschüppinge im engeren Sinn.

Die Sporen des Frühlings-Glockenschüpplings haben keinen Keimporus.

Gyromitra melaleuca 
(Bres.) Donadini 1976

Die Schwarzweiße Scheibenlorchel ist eine absolute Rarität und konnte erstmals für Thüringen nachgewiesen werden. Wie der Name bereits verrät, ist die Fruchtschicht dunkel schwarzbraun und die Unterseite weiß kontrastierend gefärbt. Deshalb kann man die Art bereits im Feld schon gut von anderen Scheibenlorcheln unterscheiden. Weil der Pilz so selten ist, ist auch über die Ökolgie noch wenig bekannt. Vermutlich ist sie kalkhold, ihre Fruchtkörper werden in der Regel auf nacktem Erdboden gefunden. 

Funddaten:

05.04.2021, Deutschland, Thüringen, Jena-Göschwitz, am Rand eines Waldweges auf Muschelkalk. Zum derzeitigen Zeitpunkt nördlichstes bekanntes Vorkommen in Deutschland.
leg.: C. Manz, F. Hampe & H. Kössel; det.: F. Hampe & C. Manz

Gyromitra gigas 
(Krombh.) Cooke 1878

Die Riesenlorchel ist ein giftiger Frühlingspilz, den ein Sammler von Böhmischen Verpeln kennen sollte. Beide Arten können im selben Habitat zur gleichen Zeit erscheinen. Besonders junge Exemplare können verwechselt werden. Man erkennt die Riesenlorchel anhand der gehirnartig gewundenen Hutoberfläche und dem kalkweißen Stiel. Die nah verwandte Giftlorchel (Gyromitra esculenta) ist viel häufiger und an die Anwesenheit von Koniferensubstrat gebunden. Unsere Exemplare sind noch wahre Riesenbabies, denn die Furchtkörper der Lorcheln wachsen über mehrere Wochen bis zu ihrer Reife und sind extrem langlebig. Eine nah verwandte Art, Gyromitra ticiniana ist in Deutschland noch nicht nachgewiesen und lässt sich anhand der schmäleren Sporen unterscheiden. Einen interessanten Artikel dazu findet ihr hier.

Funddaten: 
28.03.2021, Deutschland, Sachsen, Leipzig, Tagebaufolgelandschaft bei Borna unter Pappeln und anderen Laubgehölzen, TK 4841,312
leg: C. Manz, J. van Braak & T. Steska; det.: C. Manz & F. Hampe

Morchella cf. deliciosa

Was gibt es Schöneres als einen zarten Frühlingstag mit einem kleinen Körbchen voller Spitzmorcheln?  
Ein großes Körbchen voller Spitzmorcheln! ... unser Körbchen war nur klein, aber dennoch hat es uns voll erfüllt.

26.03.2021 in Thüringen. leg.: Felix Hampe & Cathrin Manz

Lamprospora miniata s. l.

Der Netzsporige Moosbecherling ist ein Parasit an lebenden Moospflanzen. Die Fruchtkörper der Moosbecherlinge findet man meist im Winter zu frostfreien Zeiten, an feuchten Standorten. Die Arten aus dieser Gruppe sind oft stark spezialisiert und befallen nur bestimmte Moos-Arten. Es ist gut möglich, dass diese Aufsammlung an einem winzigen, 1 mm großen Moos (Ephemerum sp.) eine eigenständige unbeschriebene Art aus dem sogenannten "Lamprospora-miniata-Komplex" darstellt. Die von uns gemessenen Sporen (16,1-18,4 x 15,6-18,3 µm) sind größer als für L. miniata s. str. üblich.

Funddaten: 
21.03.2021, Deutschland, Hessen, Wetteraukreis, Magertrift bei Ober-Mörlen, TK 5618,113
leg. : C. Manz, F. Hampe & M. Theiss; det.: F. Hampe & C. Manz

Urnula craterium
(Schwein.) Fr. 1851

Die Teufelsurne ist die große Schwester der Glänzenden Schwarzborstlinge und gehört wie diese in die Familie der Sarcosomataceae. Die bis zu handteller großen Krüge sind eine der mystischsten und düstersten Fühjahrserscheinungen, die dem neugierigen Pilzsucher begegnen können. Von Weitem sehen  die Fruchtkörper dieser vom Aussterben bedrohten Art ein wenig wie verrostete Blechdosen aus.

Funddaten: 
18.03.2021, Deutschland, Thüringen, Landkreis Gotha, Drei Gleichen, TK 5131,113; Eschenwald auf Gipskeuper, 
einziger bekannter Standort in Thüringen
leg./det.: Felix Hampe & Cathrin Manz

Morchella cf. deliciosa

Juhu! Die erste Spitzmorchel in diesem Jahr lugt hervor!

Mittlerweile gibt es in Europa über 14 verschiedene Spitzmorchelarten. Vielleicht können wir die Art bestimmen, wenn wir später im Jahr erwachsene Fruchtkörper finden.

Gefunden in einer Harvester-Schneise in einem Kiefernwald auf Muschelkalk in Thüringen. Ein waschechter Morcheljäger verrät seine Stellen natürlich nicht!

Die meisten Spitzmorchelarten lieben Störstellen wie Holzlagerplätze, Brandstellen oder eben wie in diesem Fall die Schneisen der Verwüstung eines Harvesters.

15.03.2021

 

Pseudoplectania nigrella (Pers.) Fuckel 1870

Der Glänzende Schwarzbostling ist ein typischer Frühjahrspilz, der gerne direkt nach der Schneeschmelze fruktifiziert. Er bevorzugt fichtendominierte Nadelwälder auf sandigen sauren Böden. 
2005 konnten Wissenschaftler aus diesem Pilz das proteinbasierte Antibiotikum "Plectasin" isolieren. 

Funddaten: 
14.03.2021, Deutschland, Thüringen, Ilm-Kreis
Windbergsiedlung, im Garten unseres Wochenendhäuschens,
TK 5230,412; auf magerem sandigem Boden unter Fichte (Picea abies)

leg./det.: Felix Hampe & Cathrin Manz

Pseudombrophila hepatica (Batsch) Brumm. 1995

Wie die meisten Vertreter der Gattung weist auch der Violette Dungbecherling keine Bindung an ein spezielles Losungs-Substrat auf. Wir finden ihn hauptsächlich auf oder neben den kleinen Kötteln von Mäusen in deren Gängen auf Wiesen und Trockenrasen. Pilze die an Dung wachsen, nennt man auch "coprophil".

Funddaten: 
07.03.2021, Deutschland, Hessen, Wetteraukreis, 
Eichkopf bei Ober-Mörlen, renaturierter Panzerübungsplatz
TK 5617,244; im Trockenrasen, in den Gängen von Mäusen auf deren Ausscheidungen

leg./det.: Felix Hampe & Cathrin Manz

Sporenschläuche (Asci) mit 8 glatten, hyalinen Sporen

Rutstroemia bolaris 
(Batsch) Rehm 1893

Der Hainbuchen-Stromabecherling fruktifiziert meist im Frühjahr auf dünnen Hainbuchenästchen. Der wissenschaftliche Name der Gattung (Rutstroemia) ehrt den schwedischen Wissenschaftler Carl Birger Rutström. 

Funddaten: 
07.03.2021, Deutschland, Hessen, Wetteraukreis, 
Eichkopf bei Ober-Mörlen
TK 5617,244; auf Ästchen von Hainbuche (Carpinus betulus)

leg./det.: Felix Hampe & Cathrin Manz

 

 

 

Octospora hetieri
(Boud.) Dennis & Itzerott 1973

Der Glattsporige Moosborstling ist mit etwas Erfahrung schon mit der Lupe an seinen spitzen  hyalinen Randhaaren zu erkennen. Dieses Merkmal ist bisher einzigartig in der Gattung.

Funddaten: 
05.03.2021, Deutschland, Hessen, Lahn-Dill-Kreis, Wacholderheide bei Niederlemp; 
TK 5316,233; im Trockenrasen an Purpurstieligem Hornzahnmoos (Ceratodon purpureus)

Dritter Fund für Hessen!

leg.: Felix Hampe & Harald Zühlsdorf, det.: Felix Hampe

Frisch geschlüpft! In ein paar Tagen gibts hier das Update.

Funddaten: 
02.03.2021, Deutschland, Hessen, Wetteraukreis 
TK 5517,4; basische Laubmischwaldparzelle (Pappel, Ahorn, Weide, Eiche) auf besserem Lehmboden mit Aaronstab und Seidelbast.

leg.: F. Hampe & C. Manz

Ciboria caucus (Rebent.) Fuckel 1870

Der Weidenkätzchen-Stromabecherling - ein typischer Frühlingspilz an vergehenden, feucht liegenden Weidenkätzchen. Wenn Hasel, Pappel, Erle und Weide zusammen stehen, kann die Art nur mikroskopisch von ihren Nachbararten getrennt werden. Ciboria coryli hat wesentlich größere Sporen und Ciboria amentacea wächst vor allem an Erlenkätzchen. Ciboria-Arten gehören zur Ordnung der Helotiales, ihre Sporenschläuche haben an der Spitze einen Porus, durch den die reifen Sporen entlassen werden.

Funddaten: 
02.03.2021, Deutschland, Hessen, Wetteraukreis, Sportflugplatz Butzbach; 
TK 5517,414; an verrottenden Weidenkätzchen.

leg./det.: Cathrin Manz & Felix Hampe

Fruchtkörper (Apothecien) am Standort auf feuchtliegenden, vergehenden Weidenkätzchen.

Asci mit Sporen in Wasser, freiliegende Sporen messen bei dieser Kollektion 10,6-11,6 x 6,0-6,7 µm.

Lentinellus ursinus 
(Fr.) Kühner 1926

Der Filzige Zähling  ist ein Pilz mit seitlingsartigen Fruchtkörpern. Auffällig sind seine stark schartigen Lamellenschneiden, die an die Kante eines Sägeblattes erinnern. Die  gesamte Gattung gehört zur Ordnung der Täublingsverwandten (Russulales). Das kann man mikroskopisch auch an den ornamentierten amyloiden Sporen und den Gloeozystiden erkennen.  Die Art ist durch ihre amyloiden Skeletthyphen charakterisiert, die wellig verbogen sind und "haifischflossenartige" Ausstülpungen aufweisen. Diese fehlen bei dem ähnlichen Fuchs-Zähling (Lentinellus vulpinus). 

Funddaten: 
21.02.2021, Deutschland, Hessen, Main-Taunus-Kreis, Flörsheim am Main, Kalkbruch an der Wiesenmühle, Mühlgraben; 
TK 5916,344; auf Laubholzast.

leg./det.: Cathrin Manz & Felix Hampe

Die seitlingsartigen Fruchtkörper haben stark schartige Lamellenschneiden.

Amyloide Skeletthyphen mit "haifischflossenartigen" Ausstülpungen, auch "bosselées" genannt.

Gloeozystiden im Hymenium.

Sarcoscypha jurana 
(Boud.) Baral 1984

Der Linden-Kelchbecherling ist nahe verwandt mit dem Scharlachroten Kelchbecherling. Jedoch ist sein Vorkommen auf Lindenschluchtwälder auf basischem Untergrund beschränkt. Da dieses spezielle Habitat in Deutschland rar ist, ist es nicht verwunderlich, dass man diese prächtige Frühjahrsart nur sehr selten bewundern kann. Aufgrund einer Pigmentstörung findet man  manchmal auch orange oder gelblich gefärbte Fruchtkörper.

Funddaten: 
24.02.2021, Deutschland, Hessen, Gießen, Wieseck, NSG Hangelstein; 
TK 5318,323; dort auf bis zu armdicken, stark vermoosten und feuchten Ästen von Linde.

leg.: Cathrin Manz & Felix Hampe;
det.: Harald Zühlsdorf, conf.: Hampe & Manz

Sporen mit deutlich abgestuzten Polen und 2 großen Öltropfen

Haare des ectalen Excipulums in Kongorot. Das ist der weiße Flaum, den wir auf der Außenseite der Becher sehen können. 

Sarcoscypha coccinea 
(Gray) Boud. 1907

Der Scharlachrote Kelchbecherling macht seinem Namen alle Ehre. Oft sind erste Fruchtkörper schon bei winterlicher Schneebedeckung zu finden. So richtig zur Geltung kommen diese farbenfrohen Becher allerdings nach der Schneeschmelze und sie sind zeitgleich mit dem Winterling, unserem gelben Frühlingsboten anzutreffen. Theoretisch sind die roten Becher essbar, sie sollten aber wegen ihrer Seltenheit geschont werden.

Funddaten: 
21.02.2021, Deutschland, Hessen, Main-Taunus-Kreis, Flörsheim am Main, Kalkbruch an der Wiesenmühle, Mühlgraben; 
TK 5916,344; dort auf bis zu armdicken, stark vermoosten und feuchten Laubholzästen.

 

leg.: Cathrin Manz & Felix Hampe;
det.: Thomas Lehr, conf.: Hampe & Manz

Amaurodon viridis (Alb. & Schwein. : Fr.) J. Schröt. 1889

Amaurodon viridis 
(Alb. & Schwein. : Fr.) J. Schröt. 1889

Amaurodon ist eine Gattung aus der Familie der Thelephoraceae in der Ordnung der Thelephorales. Arten der Gattung haben resupinate oder gestielte Fruchtkörper, die auf verrottendem Holz wachsen.  Das Hymenophor kann porig, hydnoid oder glatt sein und hat typischerweise eine blaue bis grüne Farbe. Auch die Sporen sind blau.

Funddaten: 
23.01.2021, Deutschland, Hessen, Wetteraukreis, Rockenberg, "Hölle von Rockenberg"; TK 5518,322; an liegendem Apfelbaumholz

leg. & det.: Cathrin Manz & Felix Hampe

Der Fund ist erst der 7. Nachweis für Deutschland

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